Erfolg des iPad entscheidet sich an einer Frage
Die Vorstellung des iPad war wohl die meistbeachtete Apple-Präsentation jemals. Vor Verkaufstart wird nun viel diskutiert werden: Setzt sich das Ding durch? Oder nicht? Und wenn ja, warum? Eigentlich ist die Antwort einfach. Der Erfolg oder Misserfolg des iPad entscheidet sich an einer zentralen Frage.
Der iPad eregt die Gemüter. Noch nie ist zur Verkündung eines Apple-Geräts zu viel publiziert worden. Alle Welt fragt sich: Ist das die Zukunft der Endgeräte? Ist der App-Store der Ausweg für sinkende Zeitungsauflagen? Der iBooks-Store die Antwort für die Buchbranche?
Andere fragen: Brauche ich ein Gerät, das keine Tastatur besitzt. An dem offensichtlich die Kamera fehlt, die iPhone und Macbook schon lange besitzen? Das zentral für das Surfen im Internet sein soll, aber keine Flash-Seiten anzeigen kann? Andere werden dagegen halten: Tolles Gerät, nicht zu teuer, völlig neue Erfahrung. Und werden kaufen, nur deshalb.
Der Hype legt sich, dann stellt sich die Frage
Aber der Hype legt sich. Irgendwann. Vielleicht wird Apple sogar reichlich erfolgreich sein, es werden Nachahmerprodukte auf den Markt kommen (das erste hat Microsoft ja schon angekündigt
Die werden etwas kleiner sein, oder etwas größer. Mit Tastatur und ohne.
Und spätestens dann wird die Mehrheit der Menschen sich die zentrale Frage stellen: Wie viele Endgeräte will ich besitzen?
Digital veranlagte Zeitgenossen haben heute in der Regel zwei. Ein Smartphone, ein Notebook. Desktop-Computer braucht niemand mehr, Netbooks dagegen sind für viele schon ein guter Notebook-Ersatz. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Fernseher braucht eigentlich niemand. Den Empfang eines TV-Signals erledigt der Rechner genauso gut. Ich brauche nur einen schönen und großen Monitor im Wohnzimmer.
Zwei Endgeräte, nicht drei
Damit reduziert sich die Anzahl der Geräte eigentlich auf zwei.
Das eine muss gerade so groß sein, dass ich es überall aus der Hosentasche ziehen kann, in der Straßenbahn, im Zug und im Auto. Damit muss ich im Netz surfen, telefonieren, Mails schreiben. Dafür gibt es iPhones, Google-Handys und Windows Mobile.
iPad als vollwertiger Rechner?
Kann der iPad so ein Gerät sein? Ich bin mir nicht sicher – wegen fehlender Tastatur, mangelnder Software- und womöglich eingeschränktem Dokumenten-Austausch. Da ist die fehlende Kamera noch das kleinste Problem.
Ich glaube, Apple wird nachrüsten müssen. Und Netbooks werden eine harte Konkurrenz für den iPad bleiben.
Bewährt sich der iPad nicht als vollwertiger Rechner, ist er lediglich ein drittes Endgerät. Ein cooles Spielzeug. Es verliert damit nicht seine Existenzberechtigung. Aber seine Massentauglichkeit. Eine Mehrzahl der Menschen braucht den iPad dann nicht. Damit wäre der iPad zumindest eines nicht: Das ersehnte Absatzgerät für Zeitungs- und Buchverlage.
28.01.2010 | von Peter Schink | 2 Kommentare


Andre Hellmann
02.2.2010 21:09 Uhr
Ich denke nicht, dass das iPad das Endgerät unserer Generation wird. Aber das unserer (bzw. meiner) Kinder. Wenn ich sehe wie Maya mit meinem iPhone umgeht und vollkommen ratlos vor der Wählscheibe ihres Spielzeug-Telefons steht… heute morgen wollte sie auf meinem Rechner das nächste Video auf YouTube direkt auf dem Bildschirm meines Laptops auswählen und auf “play” drücken! Peripherie ist ihr in ihrer kindlichen Intuition vollkommen unverständlich… und da wird das iPad punkten. Aber für den Massenmarkt ist es heute definitiv noch vor seiner Zeit. Revolution nein. Evolution aber mit Sicherheit!
David S.
04.2.2010 23:42 Uhr
Schöner Artikel, allerdings hätte ich noch ein paar Anmerkungen.
Das Tablet von Microsoft ist weder als Konkurrenz gedacht, nachgeahmt oder im Fokus. Wer Steve Ballmer gesehen hat, weiß, wie er dieses (auch noch von HP gebautes) Gerät gezeigt hat. “Ja, und da haben wir noch ein paar Tablet PCs, hier… *frickelt kurz* dran rum…. und hier.”. Das war’s auch schon.
So sehr man sich wünscht, dass Steve
MJobs dem Vorhaben einen Sinn geben würde, es gibt ihn nicht. Das iPad ist leider kein E-Book Reader (Display nicht darauf ausgelegt), kein mobiles Endgerät (UMTS nicht Standard, keine Kamera, zu groß für die U-Bahn, zu klein/nicht-arbeitstauglich/zu langsam für die Arbeiten daheim). Die Liste würde länger, je mehr Einsatzbereiche man aufzählen möchte.Die zentrale Frage ist also: Was ist der Fokus des Geräts? Daran entscheidet sich, ob es ein Erfolg wird oder nicht. Apple versuchte sich an der eierlegenden Wollmilchsau. Keine gute Idee.